Zur Hölle mit der Authentizität!

Ein doch schon etwas älterer Artikel von Juli Zeh, der dennoch nichts an seiner Aktualität eingebüßt zu haben scheint, wie eine kürzliche Plenumsdiskussion deutlich werden ließ.

Der Echtheitswahn der Unterhaltungsindustrie verführt dazu, auch in der Literatur nach wirklichen Personen und Vorgängen zu fahnden. Dabei geht verloren, was Literatur ist.

„Mimesis, nicht Mimikry: Als Aristoteles in Abgrenzung zum platonischen Vorwurf der Lüge sein poetologisches Prinzip der nachahmenden Mimesis begründete, ging es ihm nicht um die Imitation der Umgebung zur Überlistung von Fressfeinden, sondern um eine Zielvorstellung, die sich als Interpretation des Wirklichen durch literarische Darstellung beschreiben lässt. Dieses Konzept, das der abendländischen Literaturauffassung bis heute zugrunde liegt, verlangt von der Dichtung naturgemäß ein gewisses Maß an realistischer Glaubwürdigkeit.“

Lonely Thinking: Hannah Arendt on Film

Lonely Thinking: Hannah Arendt on Film.

„Only thinking, Arendt argued, has the potential to remind us of our human dignity and free us to resist our servility. Such thinking, in Arendt’s view, cannot be taught: it can only be exemplified. We cannot learn thinking through catechism or study. We learn thinking only through experience, when we are inspired by those whose thinking enthralls us—when we encounter someone who stands apart from the crowd.“

Hannah Arendt’s Original Articles on “The Banality of Evil” in the New Yorker Archive

Fatih Akıns „The Cut“ – die ersten Filmkritiken

Nach „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“ ist nun mit „The Cut“ die „Liebe, Tod, Teufel-Trilogie“ vollendet. Kontroversen hat der letzte Teil wohl bereits zu genüge ausgelöst. Unbefriedigend scheint er wohl gerade für einige Kritiker aus dem deutschen Raum zu sein.

Wenngleich noch nicht gesehen, stelle ich mir dennoch die Frage, inwiefern auch Filmkritik kulturell geprägt ist, vielleicht gerade wenn es um historisch kritische Aufarbeitung geht. Dabei denke ich gerade an den Kinofilm 12 Years a Slave, der noch nicht vor allzu langer Zeit in den Kinos lief, an die Reaktionen der Zuschauer im Kinosaal, sowie auch weiterer Stimmen. Hat man sich auch nur ein wenig mit der Sklaverei auseinandergesetzt, was nicht mal wirklich viel und intensiv sein muss, aber über den Kinosaal hinaus reicht, ist dieser Film eine Frechheit und an Kitsch nicht zu überbieten.

Welcher kulturelle Raum wie viel Kritik, sowie auch „Filmrealität“, vertragen kann scheint mir doch durchaus stark kulturell gebunden, und für den jeweiligen Regisseur eine nicht unbeachtliche Gratwanderung zu sein. Und Kritik, geäußert in angemessener Sprache, scheint doch auch immer ein Funke der Hoffnung und ein Ausdruck der Liebe zu sein. Denn wo es keinen Diskurs gibt, dort gibt es keinen Fortschritt.
Wie dem auch sei, dieses Thema auf die Kinoleinwand zu bringen, als Regisseur der nicht nur in Deutschland Erfolge feiert und gerade immer wieder durch die kulturelle Brille rezipiert wird, die von ihm nicht zuletzt stets wiederkehrende Loyalitätsansprüche erhebt: derbe Digga, derbe!

Liebe Tod Teufel

„Fatih Akın’s The Cut is a genuine, hand-made epic, of the type that people just don’t make anymore. In other words, a deeply personal response to a tragic historical episode, that has great intensity, beauty and sweeping grandeur. This picture is very precious to me, on many levels.“ Martin Scorsese

Blog TürkeiEuropaZentrum Hamburg

CutDie meisten Filmkritiken fallen, bis auf wenige Ausnahmen, eher negativ aus. Hier finden Sie die ersten nationalen und internationalen Besprechungen zusammengestellt:

Der Tod fährt manchmal mit der deutschen Bahn
„Bei der Film-Biennale in Venedig beginnt Fatih Akins lange erwartetes Epos „The Cut“ als Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern von 1915 – und endet als große Reise durch die Filmgeschichte.“ (Daniel Kothenschulte, WELT.DE)

Dem Kranich folgen
„Heilig ist der Einzelne: Der Historienwestern „The Cut“ von Fatih hat den Völkermord an den Armeniern zum Hintergrund. Jetzt war beim Filmfestival in Venedig Premiere.“ (Dietmar Dath, FAZ.NET)

Der Genozid und das Schweigen
„Fatih Akin beschäftigt sich mit „The Cut“ beim 71. Filmfestival Venedig mit dem Völkermord an den Armeniern – und scheitert.“ (Anke Westphal, BERLINER ZEITUNG)

Fatih Akin scheitert mit «The Cut»
findet Susanne Oswald, in der NZZ.

Nacktputzen und Klobrillen lecken
Sammelbesprechung…

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Feridun Zaimoğlu „Ich und Kultur, Kultur-Ich“

Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu ist Deutscher. Seine Heimatstadt ist Kiel. Und doch kreisen seine Bücher immer wieder auch um die Heimat seiner Eltern, die Türkei, in der er 1964 geboren wurde.
Und als ein Kind türkischer Einwanderer verarbeitet er in „Ich und Kultur – Kultur-Ich“ literarisch seinen persönlichen „Erstkontakt“ mit der Kultur, mit der Sprache.
Im anschließenden Gespräch über seine Arbeit, das Schreiben, steht er Ulrich Greiner Rede und Antwort.

„Die Frau Lehrerin setzte mich in die erste Reihe neben Clara, ich durfte nicht mehr Löcher in die Luft starren. Clara stellte klar: Der Rücken ihrer Federmappe auf der Schulbank markierte die Grenzlinie, jeder blieb auf seiner Seite, ich hatte den linken Ellbogen an die Flanke zu drücken. Jede zufällige oder bewusste Berührung war unziemlich. Ich lernte deutsche Grammatik, die Beugung des Zeitworts in der zweiten Person Mehrzahl in der Leideform der vollendeten Zukunft ermüdete mich. Ich sagte: „Ihr wäret geliebt werden.“ Clara sagte: „Ihr werdet geliebt worden sein.“ Und sie sagte die Möglichkeitsform, Passiv, Futur II: „Damit ihr geliebt worden sein würdet.“ Ich konjugierte Verben und vergaß die Mücken.“

Lesung und Gespräch mit Ulrich Greiner 

fz

Freie Akademie der Künste Hamburg

Sonnabend, 30. August 2014, 19 Uhr

1. Lange Nacht der Literatur

Übersetzen stellt etwas mit dem Inhalt an*

literarisches Strandgut & mehr

Knott-Witte, Mit anderen Worten Gut 13% der Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt sind Übersetzungen. Ein Sammelband bietet nun Gelegenheit, sich einmal mit dem literarischen Übersetzen selbst zu beschäftigen: Mit anderen Worten. Zur Poetik der Übersetzung (Matthes&Seitz 2014). Als „übersetzerische und übersetzungstheoretische Selbstauskünfte“ bilden die sieben Antrittsvorlesungen der Schlegel-Gastprofessur** aus den Jahren 2007-2013 (nebst Einführung und einem Seminarbericht) ein Kompendium literarischen Übersetzens, das FachkollegInnen ebenso wie interessierten Laien Einblicke in die Praxis des Übersetzens gibt. Lebendig dargestellt werfen die Beiträge zudem ungewohnte, weil übersetzungsspezifische Perspektiven auf Texte der Weltliteratur, meist unterfüttert mit historischem und kulturellem, speziell sprachlich-literarischem Hintergrund.

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Robin Williams 1951 – 2014

No matter what anybody tells you, words and ideas can change the world.

„You must constantly look at things in a different way. You don’t believe me, come see for yourself. Come on. Just when you think you know something, you have to look at it in another way even though it may seem silly, or wrong, you must try.”

Robert Frost said, „Two roads diverged in the wood and I, I took the one less traveled by, and that has made all the difference.“

Das “christliche Europa“ Eine Fiktion – also in English and Arabic

Der Islam ist und war Teil Europas
So wenig Europa, auch das „christliche“ Europa ohne seine jüdischen und islamischen Wurzeln und Werte neben denen der klassischen, griechisch-römischen Antike denkbar ist, so sehr wird ein christliches Europa in dem Sinne, in dem der Begriff heute weithin verstanden und verwendet wird, die Fiktion bleiben, die es immer war.
Wie Europa in seiner Vergangenheit wesentlich durch wechselseitige Beeinflussung und schöpferische Auseinandersetzung der drei monotheistischen, abrahamischen Religionen gestaltet und nachhaltig geprägt worden ist – selbst die Vertreibung der Juden und Muslime hat nicht das Ende jüdischer und islamischer Mitgestaltung bedeutet –, so wird in nicht geringerem Maße die Gestaltung auch des zukünftigen Europas nur in einem Miteinander der drei abrahamischen Religionen gelingen.

http://de.qantara.de/content/das-christliche-europa-eine-fiktion